Bava Batra 339

Kapitel 339

א רבן שמעון בן גמליאל סבר אין אותיות נקנות במסירה ורבי סבר אותיות נקנות במסירה
1 R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, Schriftstücke werden durch Übergabe nicht geeignet, und Rabbi ist der Ansicht, Schriftstücke werden durch Übergabe wohl geeignet.
ב אמר ליה אביי א"כ פלוגתא לדמר אמר ליה ותפלוג
2 Abajje sprach zu ihm: Dies widerspricht also dem, was der Meister gesagt hat! Dieser erwiderte: Mag es widersprechen.
ג אמר ליה הכי קאמינא לך מתניתא לא מיתרצא אלא כדמתרצא מר ואם כן קשיא דרבן שמעון בן גמליאל אדרשב"ג
3 Jener entgegnete: Ich meine es wie folgt: jene Lehre ist nur nach der Auslegung des Meisters zu erklären, somit befindet sich R. Šimo͑n b. Gamliél in einem Widersprüche mit sich selber.
ד אלא אמר אביי הכא במאי עסקינן כגון שנמצא אחד מהן קרוב או פסול
4 Vielmehr, erklärte Abajje, handelt es sich hier um den Fall, wenn es sich herausstellt, daß einer von ihnen unzulässig oder verwandt ist,
ה ובפלוגתא דר' מאיר ור' אלעזר קא מיפלגי רבי סבר לה כרבי אלעזר דאמר עדי מסירה כרתי
5 und sie führen denselben Streit wie R. Meír und R. Elea͑zar. Rabbi ist der Ansicht, R. Elea͑zars, welcher sagt, die Zeugen der Übergabe erwirken die Scheidung,
ו ורבן שמעון בן גמליאל סבר לה כרבי מאיר דאמר עדי חתימה כרתי
6 und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht R. Meírs, welcher sagt, die Zeugen der Unterschrift erwirken die Scheidung. —
ז והא אמר רבי אבא מודה היה רבי אלעזר במזוייף מתוכו שהוא פסול
7 R. Abba sagte ja aber, R. Elea͑zar pflichte bei, daß, wenn [der Scheidebrief] an sich falsch ist, er ungültig sei!?
ח אלא אמר רבי אבינא הכל מודים שאם כתוב בו הוזקקנו לעדותן של עדים ונמצאת עדותן מזוייפת שהוא פסול כדרבי אבא לא נחלקו אלא בשטר שאין עליו עדים כלל דרבי סבר לה כר' אלעזר דאמר עדי מסירה כרתי ורבן שמעון בן גמליאל סבר לה כרבי מאיר דאמר עדי חתימה כרתי
8 Dies ist vielmehr nach R. Abina zu erklären, denn R. Abina sagte: Alle stimmen überein, daß, wenn die Zeugen vernommen worden sind und es sich herausstellte, daß die Zeugenunterschriften falsch sind, er ungültig sei, nach R. Abba, sie streiten nur über eine Urkunde, auf der überhaupt keine Zeugen unterschrieben sind. Rabbi ist der Ansicht R. Elea͑zars, welcher sagt, die Zeugen der Übergabe erwirken die Scheidung, und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht R. Meírs, welcher sagt, die Zeugen der Unterschrift erwirken die Scheidung.
ט ואיבעית אימא במודה בשטר שכתבו צריך לקיימו קא מיפלגי
9 Wenn du aber willst, sage ich: sie streiten darüber, ob ein Schein, von dem [der Schuldner] zugibt, ihn geschrieben zu haben, beglaubigt zu werden braucht.
י דרבי סבר מודה בשטר שכתבו אין צריך לקיימו ורבן שמעון בן גמליאל סבר צריך לקיימו
10 Rabbi ist der Ansicht, wenn er zugibt, den Schein geschrieben zu haben, brauche er nicht beglaubigt zu werden, und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, er müsse wohl beglaubigt werden. —
יא והא איפכא שמעינן להו דתניא שנים אדוקין בשטר מלוה אומר שלי הוא ונפל ממני ומצאתו ולוה אומר שלך הוא ופרעתיו לך יתקיים השטר בחותמיו דברי רבי רבן שמעון בן גמליאל אומר יחלוקו
11 Wir wissen ja aber von ihnen, daß sie entgegengesetzter Ansicht sind, denn es wird gelehrt: Wenn zwei einen Schuldschein halten, und der Gläubiger sagt: er gehört mir, ich habe ihn verloren und du hast ihn gefunden, und der Schuldner sagt: er gehörte dir, ich habe ihn dir aber bezahlt, so muß der Schuldschein auf seine Unterschriften beglaubigt werden — so Rabbi; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, sie teilen.
יב והוינן בה ולית ליה לרבי הא דתנן שנים אוחזין בטלית זה אומר אני מצאתיה וזה אומר אני מצאתיה זה ישבע שאין לו בה פחות מחציה וזה ישבע שאין לו בה פחות מחציה ויחלוקו
12 Dagegen wandten wir ein: Hält denn Rabbi nichts von dem, was wir gelernt haben: Wenn zwei ein Gewand halten und der eine sagt, er habe es gefunden, und der andere sagt, er habe es gefunden, so muß der eine schwören, daß er daran nicht weniger als die Hälfte habe, und der andere ebenfalls schwören, daß er daran nicht weniger als die Hälfte habe, und sie teilen!?
יג ואמר רבא אמר רב נחמן במקויים דכולי עלמא לא פליגי דיחלוקו כי פליגי בשאינו מקויים רבי סבר מודה בשטר שכתבו צריך לקיימו ואי מקיים ליה גבי פלגא ואי לא חספא בעלמא הוא
13 Und Raba erklärte im Namen R. Naḥmans: Über einen beglaubigten [Schein] streitet niemand, ob zu teilen sei, sie streiten nur über einen nicht beglaubigten. Rabbi ist der Ansicht, obgleich er zugibt, den Schein geschrieben zu haben, müsse er dennoch beglaubigt werden; wenn er ihn beglaubigt, so erhält er die Hälfte, wenn aber nicht, so ist er nichts weiter als ein Stück Papier;
יד ורבן שמעון בן גמליאל סבר מודה בשטר שכתבו אין צריך לקיימו ויחלוקו
14 und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, wenn er zugibt, den Schein geschrieben zu haben, brauche er nicht beglaubigt zu werden, und sie teilen!? —
טו איפוך
15 Wende es um.
טז ואיבעית אימא לעולם לא תיפוך אלא הכא בלברר קמיפלגי
16 Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich brauchst du es nicht umzuwenden, denn hier streiten sie über den Beweisantritt.
יז כי הא דרב יצחק בר יוסף הוה מסיק ביה זוזי ברבי אבא אתא לקמיה דרבי יצחק נפחא אמר פרעתיך בפני פלוני ופלוני אמר ליה רבי יצחק יבואו פלוני ופלוני ויעידו אמר ליה אי לא אתו לא מהימנינא והא קיימא לן המלוה את חבירו בעדים אינו צריך לפרעו בעדים
17 So forderte einst R. Jiçḥaq b. Joseph Geld von R. Abba, und als er vor R. Jiçḥaq den Schmied kam, sagte er, er habe es ihm vor dem und dem bezahlt. Da sprach R. Jiçḥaq zu ihm: So sollen der und der kommen und es bekunden. Jener entgegnete: Bin ich etwa nicht glaubwürdig, wenn sie nicht kommen, es ist uns ja bekannt, wenn jemand seinem Nächsten Geld vor Zeugen borgt, brauche dieser es ihm nicht vor Zeugen zurückzuzahlen!?
יח אמר ליה אנא בההיא כשמעתא דמר סבירא לי דאמר רבי אבא אמר רב אדא בר אהבה אמר רב האומר לחבירו פרעתיך בפני פלוני ופלוני צריך שיבואו פלוני ופלוני ויעידו [א"ל] והא אמר רב גידל אמר רב הלכה כדברי רבן שמעון בן גמליאל ואף רבי לא
18 Dieser erwiderte: In diesem Falle bin ich der Ansicht des Meisters. R. Abba sagte nämlich im Namen des R. Ada b. Ahaba im Namen Rabhs, wenn jemand zu seinem Nächsten sagt, er habe ihm vor dem und dem bezahlt, so müssen diese kommen und es bekunden. — R. Gidel sagte ja aber im Namen Rabhs, die Halakha sei wie R. Šimo͑n b. Gamliél und auch Rabbi sagte ja nur,